Marino Bodenmann – der Rote aus dem Wallis
Buch
mit 28 Fotos
Gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen
320 Seiten
CHF 30.00, EUR 30.00
ISBN: 978-3-85990-586-3
Marino Bodenmann (1893–1964) wuchs in Fiesch im Oberwallis als Halbwaise in ärmlichsten Verhältnissen auf. Als Geissbub tr er zur Ernährung seiner Bergbauernfamilie bei. Nur mit einfachster Schulbildung ausgestatttet, emigriert er 1912 als Hotelkellner nach Neapel. 1915 kehrt er als Sozialist zurück und trifft im roten Grenchen, zukunftsweisend, die Familie des russischen Revolutionärs Josef Kirschbaum und Willi Münzenberg.
1918 wird er Parteisekretär für die Bolschewiken in Seelmann im deutsch-russischen Wolgagebiet. 1919 gründet er in Berlin den Kommunistischen Jugendverband mit und wird 1921 zum ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) gewählt, um dann als Vertreter der Schweiz im Jahr 1922 im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale in Moskau mit Generalsekretär Lenin am Tisch zu sitzen und am Aufbau der kommunistischen Weltbewegung mitzuarbeiten.
1930 wird Bodenmann wegen Kontrasten mit der stalinistischen Linie von der Komintern abgesetzt. Nach dem Verbot der KPS ist er nach dem Zweiten Weltkrieg an der Gründung der Partei der Arbeit (PdA) beteiligt und hat bis zu seinem Unfalltod 1964 wichtige Funktionen in der Partei inne. Er war Grossrat in Basel und Nationalrat von 1934 bis 1939 und von 1953 bis 1959. Seiner eigenen Überzeugung treu, kämpfte er für eine Volksfront gegen den Faschismus und zeitlebens für soziale Gerechtigkeit, internationale Solidarität, Frieden und Freiheit.
Marino ist mit den wenigen Habseligkeiten eines Emigranten in Neapel angekommen. Alles um ihn herum ist ihm fremd und neu. Vor allem ist alles sehr gross und eher schmutzig. Er ist beeindruckt vom pulsierenden Leben rund um den Bahnhof, vom Hin und Her der Leute, vom lauten Geschrei in neapolitanischer Mundart, von dem er kein Wort versteht. Mut ist angesagt. Sein erstes Ziel ist ein Stellenvermittlungsbüro, spezialisiert auf Hotels und Restaurants.
Zu seiner Erleichterung spricht der gepflegte Herr Nobile Deutsch. Er macht Marino die betrübliche Mitteilung, dass im Spätherbst die Touristensaison in Neapel vorbei ist. Es werde mehrere Wochen dauern, bis wieder Aussicht auf eine Arbeitsstelle bestehe. Für den mittellosen Marino ist das unvorstellbar. Hingegen beginne auf der Insel Capri sehr bald die Frühsaison, dort solle es möglich sein, Arbeit zu finden. Dies ist die abschliessende Empfehlung des Herrn Nobile, der Marino auch noch den Weg zum Hafen zeigt.