Der Tag, an dem wir ausziehen mussten

Buch E-Book

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Aus dem kolumbianischen Spanisch übersetzt von Richard Gross

Gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen

120 Seiten

CHF 23.00, EUR 23.00

ISBN: 978-3-85990-595-5

"Der Tag, an dem wir ausziehen mussten" (El día de la mudanza), in seinem Herkunftsland Kolumbien mit dem Premio Nacional de Novela Breve ausgezeichnet und in mehreren Ländern erschienen, ist eine Geschichte von Vergänglichkeit, Verlust und Verfall. Sie zeichnet das Schicksal einer wohlsituierten Provinzstadt-Familie nach, die sozial abstürzt und ihr Domizil aufgeben muss. Der Auszug wird als Vertreibung aus dem Paradies empfunden, als Exodus in ein illusionsloses Jetzt und eine Zukunft ohne Verheissung. Anhand eines Fotoalbums, das die Familiengeschichte dokumentiert, beschwören Tochter und Sohn das einstige Idyll. Die Fotos liefern ein Mosaik des häuslichen Inventars, der gesellschaftlichen Riten, Ansprüche und Begehrlichkeiten einer Mittelstandsfamilie. Zugleich finden sich darin Indizien des drohenden Niedergangs.

Doch mit fortlaufender Erzählung drängt sich die krude Realität des Landes in den Vordergrund, die Macht des organisierten Verbrechens und der Glanz, der von ihm ausgeht. Vater, Sohn und Tochter huldigen ihm zunehmend und lassen dem finanziellen Ruin einen moralischen folgen. Damit wird die ältere Bedeutung von mudanza – Wandel, Veränderung – auf geradezu sarkastische Weise wieder in Funktion gesetzt. Hochkarätige Literatur.

Das erste Foto zeigt sie beide. Meine Mutter trägt das weisse Spitzenkleid. Mein Vater steht hinter ihr wie ein Engel hinter einem Engel, doch sein Gesicht ist teils verdeckt und der Blick geht ins Abseits, als wäre er sich seiner Sache nicht gewiss. Mein Vater ist ein schwankender Engel.