Otto Steiger
Das Wunder von Schondorf

Skurrile und andere Geschichten
144 Seiten, gebunden
Fadenheftung, Lesebändchen
Fr. 24.-, Euro 13.50
ISBN 3-85990-032-3

Ein Hobbyflieger bleibt kläglich auf der andern Seite der Schallmauer gefangen, ein Stabhochspringer erreicht solche Rekordhöhen, dass ihn die Angst vor dem unausweichlichen Sturz packt, ein gewöhnlicher Hund beginnt zum Erstaunen seiner Umgebung zu sprechen, ein Maler wird durch einen Engel in Vagabundengestalt aus seiner Midlife-Crisis errettet - mit solchen und andern ungewöhnlichen Situationen müssen die Protagonisten in Otto Steigers neuem Geschichtenband Das Wunder von Schondorf zurechtkommen. Mit ein paar leichten Federstrichen gibt der Autor dem Alltäglichen eine absurde Dimension und bricht es mit unerwarteten Pointen auf.

Einen Namen hat sich Otto Steiger mit präzisen, realistischen Schilderungen der biederen Schweizer Gesellschaft gemacht, die er mit feiner Ironie und scharfem Blick für "normale" Lieblosigkeiten porträtiert. Skurrile,

unwahrscheinliche Geschichten zu erzählen, ist eine seiner weniger bekannten Seiten. Sein Grundthema, die innere und äussere Begrenztheit in einem Alltag ohne Höhenflüge und die verborgenen Hoffnungen des Durchschnittsmenschen, verlässt er aber auch hier nicht. Der satirische Gehalt der Texte jedoch tritt desto unübersehbarer zu Tage.

Die neu überarbeiteten Kurzgeschichten sind zum grössten Teil in den sechziger und frühen siebziger Jahren entstanden, einer Zeit, die geprägt war vom Glauben an Technik und Fortschritt. Diese Euphorie nimmt der Autor aufs Korn, karikiert und überhöht sie in unmöglichen Begebenheiten und unterläuft sie, indem er ihr - in nachdenklicheren Texten - die Welt der weniger Tüchtigen, weniger Erfolgreichen entgegensetzt. Und indem er spielerisch und in allen Schattierungen das Unfassbare antönt: das Wunder, das geschieht - oder eben ausbleibt.

 

Leseprobe

Rezension in der NZZ


Weitere Bücher von Otto Steiger

Otto Steiger
geboren 1909 in Uetendorf bei Thun, aufgewachsen in Bern. Anfang der 30er-Jahre Umzug nach Paris und Beginn eines Studiums (abgebrochen) und Arbeit in verschiedenen Berufen. Rückkehr in die Schweiz. Von 1936 bis 1942 Nachrichtensprecher am Schweizer Radio. 1943 Umzug nach Zürich, Eröffnung und Leitung einer privaten Handelsschule und später einer Handelsfirma. 
Otto Steiger lebte viele Jahre lang in Zürich, wo er im Frühling 2005 in seinem 96. Lebensjahr verstarb.

Otto Steiger hat zahlreiche Romane und Erzählungen veröffentlicht. Ausserdem ist er als Jugendbuchschriftsteller bekannt. Zu seinen Hauptwerken gehören: Sie tun als ob sie lebten (1942), Porträt eines angesehenen Mannes (1952), Die Reise ans Meer (1960), Das Jahr mit elf Monaten (1962), Spurlos vorhanden (1980), Die Unreifeprüfung (1984), Orientierungslauf (1988), Schott (1992), Tante Lisas Erbe (1994). In der edition 8 sind 1999 seine Erinnerungen unter dem Titel Ein Stück nur erschienen. Für Porträt eines angesehenen Mannes erhielt Steiger 1951 den 1. Preis der Büchergilde Gutenberg. 1980 wurde er mit dem Schweizer Jugendbuchpreis ausgezeichnet und 1984 mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. In den letzten Jahren erhielt er ausserdem Ehrengaben der Stadt und des Kantons Zürich.